Be­schwing­ter Früh­lings­gruß

Joseph-von-Fraunhofer-Halle Presseberichte: Joseph-von-Fraunhofer-Halle

...Gärt­ner­ball 2018 mit 1650 Be­su­chern und Plün­de­rern und 1500 blü­hen­den Prei­sen


Angeblich ist ja in 50 Prozent der alten Krimis der Gärtner der Täter (wenn der Butler im Anzug keine Zeit hatte), das kann stimmen oder nicht. Wenn aber die Straubinger Gärtner im Anzug fesch zum Tanz bitten, dann wurde vorher kreativ stundenlang zur Tat geschritten, damit 1650 Gäste, der Ball war schon seit Wochen ausverkauft, wieder einen prächtigen Blumenschmuck in der Stadthalle, im Foyer und am Gang genießen konnten.

Einen vorgezogenen Frühlingsgruß versprach der Gärtnerball am Samstagabend in der Stadthalle. Der Traditionsverein von 1877 hielt standesgemäß sein Versprechen, auch mit den Tombolapreisen mit wundervollen floralen Gestecken und Sträußen und heiß begehrten Gemüsekörben, die dieses Jahr so prall gefüllt waren, dass einigen Gästen der Henkel abriss. „Halt, steig nicht auf meine Zwiebel“, warnte nach so einem Malheur ein Mann um kurz nach 22 Uhr, als die ersten Lospreise der riesigen Tombola mit 1500 blühenden Preisen, darunter 200 Gemüsekörbe, abgeholt werden konnten. Seine Frau war auf Stöckelschuhen derweil schon auf der Jagd nach dem davonkullernden Kohlrabi.
Zum Frühling in der Stadthalle hatte Josef Schmidbauer, stellvertretender Vorsitzender des Gärtnervereins, nicht blumig dafür knackig begrüßt und dabei die Arbeit und Beteiligung vieler Traditionsbetriebe aus Stadt und Land gewürdigt, bevor er allen Gästen augenzwinkernd „viele Schweißperlen wünschte“, da die Bands „The Compliments“ und „Waidler Wahnsinns“ sich in ganz kurzen Tanzpausen den Abend lang auf der Bühne abwechselten.
Ins Schwitzen kommen galt auch für die zahlreichen Helfer. Gärtnervorsitzender Max Kerscher und sein Team hatten zuerst einen großen Ansturm auf die Lose und dann auf die Preisvergabe zu meistern. Standesgemäß war jede Dame am Eingang vom Gärtnernachwuchs mit Rosen in Rosa, Orange, Gelb, Cremefarben oder klassisch Rot begrüßt worden. Bunt eingefärbte Weißbiergläser warteten auf den Tischen, damit die Rosen eine Vase hatten. Ehrengast des Abends war Landrat Josef Laumer, der schmunzelnd auf die Frage, wie oft er den seiner Frau Christine Blumen schenke, antwortet: „Es ist angemessen“ und nachdenklich selbstkritisch hinzufügte: „Früher öfters.“ Aber auf die Tanzfläche führte er seine Frau oft, gern zu einem Walzer, wie „An der schönen blauen Donau“ und „Que Sera Sera“ gefällt ihm auch sehr gut. Ein Alleinstellungsmerkmal des Gärtnerballs, die Gurkenbar mit Selbstbedienung, war natürlich auch wieder ein beliebter Treffpunkt. Erst seit ein paar Jahren dabei, und schon noch beliebter als die Gurken, war die Photobox. Unter einem mit Narzissen, Alpenveilchen und Rosen geschmückten Zylinder aus geflochtenen Weidenruten konnten sich frisch und lang verliebte Pärchen oder gute Freunde selbst knipsen.

Bis weit nach Mitternacht wurde getanzt, auch weil beim Gärtnerball dann „geplündert werden darf“. „Aber bitte den Schmuck erst nach 2 Uhr mitnehmen“, hatte Schmidbauer gebeten. Profi-Gärtnerballgänger hatten Scheren oder Kabelzwicker in der Handtasche mit dabei. „Blumen sind das Lächeln der Erde“, betonte Philosoph Ralph Waldo Emerson. Mit strahlenden Lächeln genossen die Ballbesucher den Abend und den Heimweg mit einem Blumengruß in der Hand. Die Philosophie der Gärtner blühte an diesem Ballabend so auf alle Fälle wieder voll auf.

Quelle: Straubinger Tagblatt, 05.02.2018