Ein fan­tas­ti­scher Abend im Hong­kong Ho­tel

Joseph-von-Fraunhofer-Halle Presseberichte: Joseph-von-Fraunhofer-Halle

...Ho­he ar­tis­ti­sche Kunst des Chi­ne­si­schen Na­tio­nal­cir­cus in der Fraun­ho­fer­hal­le

 

Der „Duftende Hafen“, wie Hongkong aus dem Chinesischen übersetzt heißt, war früher eine unbedeutende Fischersiedlung und Unterschlupf für Piraten, Schmuggler und Freibeuter. Irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es britische Kronkolonie. Seit 1997 gehört der „Duftende Hafen“ zu China. Eigentlich ist Hongkong auch heute nicht mehr und auch nicht weniger als ein Ort für Freibeuter, Traumtänzer, Visionäre. Also immer noch ein verwirrend erfolgreiches Piratennest. Mittendrin steht das Hongkong Hotel – am Samstagabend stand es allerdings mit seinen wunderbaren Artisten vom Chinesischen Nationalcircus in der Fraunhoferhalle.

Ein alter Hotelportier sagte einmal: „Menschen kommen, Menschen gehen. Nie passiert etwas. Oder immer passiert alles.“ Die Gäste in der Fraunhoferhalle erlebten allerdings sehr viel. Anmutende Tanzbewegung, Grazie bei den Darstellungen und teilweise unglaubliche Artistik. Die anfängliche Clownerie begeisterte nicht nur die jungen Zuschauer – sie wurde weitergeführt hinein in wunderbare Akrobatiknummern und Jonglagen, die mit einer live gespielten, leisen Pianomusik unterlegt wurden. Die Show spielt in einem alten viktorianischen Grandhotel, in dem Menschen aller Herren Länder aufeinandertreffen. Die Magie des Fortschritts trifft hier auf die traditionell asiatische Poesie und ein erleichterndes Lachen folgt auf die akrobatische Sensation.

Circus trifft Asien, Artisten verzaubern und die Clowns berühren – so entsteht ein akrobatisches Feuerwerk der Extraklasse. Man meint, auf der Bühne würden die Gesetze der Schwerkraft ausgehebelt. Junge Schlangenmädchen, elegante Handstandkünstler, Vasenjongleure, Clowns und Akrobaten finden sich wie Mosaikteilchen zu einem großen Ganzen im Hongkong Hotel zusammen. Das Publikum erlebte eine fantastische Weltklasse-Show mit viel Gefühl, unglaublicher Akrobatik und einer guten Prise Humor – auch für die anwesenden Kinder –, wobei die Clowns stets bewiesen, dass auch sie Artisten der Extraklasse sind.

Beeindruckend in der Show auch die Einblicke in die faszinierende Kultur Chinas. Die mehr als zweistündige Show machte dem Zuschauer mit diesem einmaligen Akrobatik-Exkurs deutlich, dass nichts für sich steht und alles Teil des Ganzen ist. Alle waren wohl nach diesem beeindruckenden Programm fasziniert von den Ausnahmekünstlern aus dem Land des Lächelns und darüber, mit welcher Perfektion diese Zirkuskunst dargeboten wurde. Menschen, von denen man meint, sie seien endlos biegsam, die dazu noch mit einer Vielzahl von Tellern jonglieren oder oben unter dem Hallendach ihre Kunststücke auf einer Vielzahl von Stühlen vorführen. Die hohe Kunst der Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele wird hier auf der Bühne erlebbar gemacht.

Eine Episode am Rande: Walter Günther ist technischer Leiter des Konzertveranstalters Forster. Er setzte kurzerhand Rollstuhlfahrer im jungen Alter nach vorne in die Nähe der Bühne – auch ohne die entsprechenden Eintrittskarten. Diese bedankten sich am Ende herzlich bei ihm und rührten ihn damit zu Tränen. Einfach menschlich.

Nicht enden wollender Applaus für die Künstler setzte den Schlusspunkt unter einen fantastischen Abend im Hongkong Hotel.

von Wilfried Schaffrath

Quelle: Straubinger Tagblatt, 26.03.2018