Mit prächtigen Farben gegen das Wintergrau

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...Wie Gouldamadine und Pfirsichkopf Frühlingsgefühle in die Messehalle bringen

Der Himmel ist grau, es nieselt. Wohin man tritt – Wasserpfützen oder kleine Schneehaufen. Ein eisiger Wind pfeift am Sonntagmorgen über den Hagen. Öffnet man aber die Tür zur Messehalle, ist plötzlich Frühling: Es ist warm, Vöglein zwitschern und wohin man sieht: Gefieder in kräftigem Orange, Türkis, Grün oder Violett. Willkommen bei der Vogelbörse des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins Straubing. Einer der rund 500 Aussteller, die schon um 5.30 Uhr ihre Käfige aufgebaut und die Tiere gefüttert haben, ist Alfons Piendl aus Roding. An seinem Stand zwitschern Wellensittiche, Hausgimpel, Diamanttauben und Zwergwachteln. Zu Hause hat er über 100 Vögel. „Die größte Freud’ ist immer wieder, wenn Junge da sind.“ Die Kanarienvögel brüten in einem kleinen Nest. Schon nach zwei Wochen fliegen die Kleinen. Der Trendsetter der diesjährigen Vogelbörse: die Gouldamadine. Der bunt gefiederte Vogel stammt aus Australien. „Sein Gemüt ist sehr ruhig“, erzählt ein Züchter aus Abensberg. In den Käfigen sitzen die Gouldamadinen entspannt nebeneinander. Warum sind fast immer zwei Tiere in einem Käfig? „Allein mag doch keiner sein. Allein is auch im Himmel ned schön“, sagt der Züchter und lacht. Auch auf die Frage, woran man Männlein und Weiblein unterscheidet, hat er eine Antwort: „Wie im richtigen Leben halt auch: Das Manderl is immer scheener.“ Damit meint er, dass die Farben des Gefieders kräftiger sind.

Trotz Schnee kommen zahlreiche Besucher

„Jetzt sind wir beruhigt“, sagt Jörg Mildenberger gegen 9 Uhr. Er hat die Vogelbörse organisiert und war besorgt wegen der schlechten Wetterprognosen. Doch der Parkplatz vor der Messehalle ist voll. Dort stehen Autos aus Frankreich, Italien, Österreich, Tschechien und natürlich Deutschland. Auf einer Vogelbörse findet man Leute, die sich auskennen, die sich mit einer bestimmten Art beschäftigt haben und Tipps geben können. Aber nicht nur Tiere konnte man am Sonntag kaufen: Ein Volierenbauer aus Österreich zeigte sein Können, ein Hirseanbauer informierte über Futter für die Aufzucht und sogar eine DNA-Analyse, ob es sich um Henne oder Hahn handelt, konnte man bei den Tieren machen lassen. Schaut man in die Messehalle, schlendern dort vor allem Männer an den Käfigen vorbei. „Früher war die Vogelzucht eine reine Männerdomäne, inzwischen kommen schon viel mehr Frauen“, sagt Christian Müller, Vorsitzender des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins. Doch die Zucht hat Nachwuchsprobleme. Das liege an den vielen Stunden, die man sich um die Tiere kümmern muss, aber auch an den gesetzlichen Auflagen. Die Bürokratie, sagen Müller und Mildenberger, ist enorm. „Dennoch suchen wir dringend Vereinsmitglieder.“ Müller faszinieren die Farben, die die Natur den Tieren gegeben hat. Die Gouldamadine zum Beispiel hat so viele verschiedene Farb-Möglichkeiten: Würde man alle kombinieren, kommt man auf über 64 000 Vögel. Und keiner sieht aus wie der andere. Ein richtiger Trendsetter eben.

Quelle: Straubinger Tagblatt, 14.01.2019 - Sophie Schattenkirchner