Von Lieb­ha­ber zu Lieb­ha­ber...

Joseph-von-Fraunhofer-Halle Presseberichte: Joseph-von-Fraunhofer-Halle

...7 000 Tau­ben, Hüh­ner und Ka­nin­chen beim Klein­tier- und Ge­flü­gel­markt am Sonn­tag

Hunderte Tierfreunde, manche aus Tschechien oder Frankreich angereist, haben am Sonntagvormittag den Kleintier- und Geflügelmarkt am Hagen besucht. Das Frühstücksei von eigenen Hennen im Garten ist Trend, sagt Geflügelzuchtverein-Vorsitzender Jörg Mildenberger. Trotzdem fehlen Nachwuchszüchter. Ein Stück Kultur drohe verlorenzugehen.


Dutzende Besucher schieben sich ab 5 Uhr morgens durch die Gänge in den Ausstellungshallen: Anfangs Züchter mit geschultem Auge, später Hobby-Huhnhalter und Schaulustige. Vereinzelt kräht ein Hahn – ein bunter Italiener oder ein schwarzer Australorp –, aus hunderten Käfigen blicken rote, gelbe, schwarze Augen. Tauben gurren, Hennen glucken, Kaninchen, groß wie Kleinkinder, richten ihre handgroßen Löffel aus. Die Züchter feilschen um die besten Tiere: Der englische Großkröpfer mit der schönsten Flügelrose, der Deutsche Riese mit den stärksten Hinterpfoten, die Smaragdente mit dem prächtigsten Gefieder. Dabei geben die Züchter Tipps für Aufzucht und Kreuzung, von Liebhaber zu Liebhaber. Züchter erhalten Fachwissen Fast 400 Züchter haben etwa 7 000 Tauben, Hühner und Kaninchen angeboten. Sonst fand der Markt an Heilig-Drei-König statt. Nur im Jahr 2016 musste er wegen der Geflügelpest auf Februar verschoben werden, heuer im Frühjahr fiel er ganz aus. Nun hat man den Markt vorgezogen, um nicht noch eine Absage zu riskieren. „Sich Hühner halten ist Trend geworden“, sagt Mildenberger. „Viele junge Familien halten sich Hennen für frische Frühstückseier oder indische Laufenten, die Schnecken vom Salat wegfressen.“ Trotzdem haben er und alle anderen Aussteller, die man fragt, Nachwuchssorgen. „Es gibt immer weniger Leute, die mit Sachverstand mit Tieren umgehen können“, meint Mildenberger.

Der emotionale Blick allein, ohne Verstand und Kenntnis, könne nicht für das Wohl der Tiere sorgen. „Wir Züchter erhalten ein Stück Kultur: unser Fachwissen im Umgang mit den Tieren “, betont er. Für jedes Tier auf dem Markt müsse ein Gesundheitszeugnis nicht älter als fünf Tage vorgelegt werden. Amtsärzte und Ordner kontrollieren laufend in den Hallen, dass für jedes Tier gut gesorgt ist. Die sachkundigen Ordner vom Zuchtverein notieren Verstöße auf Kärtchen. Wer sich nicht an die Regeln hält, war das letzte Mal als Aussteller auf dem Markt, erklärt Mildenberger. Trotz der Nachwuchssorgen finden sich einige junge Burschen mit Faible für Tauben oder einem Händchen für Zwergkaninchen. Patrick aus Waldkirchen ist mit Vater Josef Windorfer am Markt, zu Hause haben sie etwa 150 Tauben. Am liebsten sind ihm die Lockentauben. Marcel ist mit seinem Vater Franz Gründl da, sie sind beide Europameister. 2015 haben sie mit ihren Zwergkaninchen im französischen Metz gewonnen, der Sohn bei der Jugend-EM, der Vater bei den Erwachsenen. Züchterfreunde aus Frankreich haben sie heuer wieder in Straubing am Markt besucht, nächstes Jahr wollen sie in Schweden ausstellen. „Es geht dabei nicht nur um die Zucht“, sagt Franz Gründl. „An unseren Kaninchen erfreut sich die ganze Familie, wir stehen alle dahinter und kümmern uns um unsere Tiere.“ - urb -

Quelle: Straubinger Tagblatt, 06.11.2017